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3. Heilpädagogisches Forum

Thema: Logopädie

Das Thema des dritten heilpädagogischen Forums war „Logopädie“. Deshalb haben wir Herrn Walter Dickerhoff, einen Logopäden aus Duisburg, eingeladen. Er arbeitet seit zwei Jahren in einer Praxis in Duisburg. Viele seiner Patienten sind Kinder, aber auch Erwachsene, vor allem Menschen mit Aphasien und Redeflussstörungen. Das Arbeitsfeld des Logopäden ist jedoch so vielfältig, dass sie auch in Rehazentren und integrativen Kindergärten arbeiten können.

Als erstes hat er uns einen Überblick über die Bereiche und die Aufgabengebiete der Logopädie gegeben.

Die Bereiche in der Logopädie sind:

  • Stimmstörungen + Stimmtherapie
  • Sprachstörungen + Sprachtherapie
  • Sprachstörungen + Sprechtherapie
  • Schluckstörungen + Schlucktherapie

Zu den Aufgabengebieten eines Logopäden gehören Prävention und Prophylaxe, Beratung und Training, Diagnostik und Abklärung, Therapie und Rehabilitation, Lehre und Fortbildung, Wissenschaft und Forschung und Öffentlichkeitsarbeit.

Damit man nachvollziehen kann wie die Arbeit eines Logopäden, also seine Arbeit, genau abläuft, muss man wissen, was Sprache und Sprechen bedeutet und worin der Unterschied besteht. Unsere Sprache wird vom Gehirn gesteuert. Sie ist ein Konzept, das im Großhirn entsteht und von fünf funktionierenden linguistischen Ebenen abhängig ist. Die fünf Ebenen sind die Lautstruktur, der Wortbau, der Satzbau, die Bedeutung und die Funktion. Das Sprechen hingegen ist die lautliche Realisation dieses Konzeptes. Dafür müssen die Sprechwerkzeuge intakt sein. Zu den Sprechwerkzeugen gehört das Zwerchfell (und die Atemwerkzeuge) der Kehlkopf und der Hals – und Mundraum (Zunge, Gaumen, Zähne, Lippen, Nase). Damit die Sprechwerkzeuge funktionieren können müssen die dazugehörigen Nerven und Muskeln auch funktionsfähig sein.

Im weiteren Verlauf gab er uns je ein Beispiel für eine Sprach - und eine Sprechstörung. Eine Sprachstörung ist die Aphasie (Verlust der Sprache). Diese kann in vier verschiedenen Formen auftreten.

  1. Amnestische Aphasie: Wortfindungsstörungen, Sprachverständnis leicht gestört, Grammatik und Satzbau weitgehend in Takt
  2. Broca Aphasie: mühsames, verlangsamtes Sprechen im Telegrammstil
  3. Wernicke Aphasie: Sprachverständnis erheblich gestört, flüssiges und vieles Reden
  4. Globale Aphasie: Broca und Wernicke Zentrum gleichermaßen betroffen, schlimmste Form der Aphasie

Ein Beispiel für eine Sprechstörung ist das Stottern. Dies ist der Verlust der Kontrolle über die Sprechwerkzeuge. Eine Form entsteht durch Überspannung. Dennoch gibt es auch das flüssigere sich immer wiederholende Stottern. Patienten mit Redeflussstörungen verzögern oder vermeiden es das Wort aus zu sprechen oder machen gar nichts, wenn sie ihre Warnsignale merken. Herr Dickerhoff arbeitet mit dem Nicht – Vermeidungs – Ansatz. Das bedeutet, dass dem Patienten Dinge an die Hand gegeben werden, die er einsetzt wenn er seine Warnsignale bemerkt. Diese Therapie ist in vier einzelne Schritte unterteilt.

  1. Gegenseitiges Kennenlernen, auch Vermeidungs – und Verzögerungsverhalten
  2. Desensibilisierung: Abhärten gegen äußere Einflüsse
  3. Ohne Techniken setzt man sich mit dem Stottern der Umwelt aus
  4. Der Patient bekommt mehrere Techniken gezeigt, so dass der Patient optimal reagieren kann.

Immer wieder spielte Herr Dickerhoff uns Beispiele für Sprach -, Sprech - und Stimmstörungen vor. So konnte man sich ein Bild davon machen.

Auf diesem Wege möchte sich das Orga - Team noch mal für den interessanten und informativen Vortrag bedanken.